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Maurice Ravel

Daphnis und Chloe

Charles Munch – Boston Symphony Orchestra 1953

Der Komponist

 Maurice Ravel wurde am 7. März 1875 in Ciboure im Baskenland geboren. Er wuchs in Paris auf und erhielt ab seinem 7. Lebensjahr Klavierunterricht, bereits 1889 wurde er Klavierschüler im Pariser Konservatorium und studierte später – ab 1897 – hauptsächlich Komposition bei Gabriel Fauré. Er bewarb sich erfolglos zwischen 1900 und 1905 fünfmal um den renommierten Prix de Rome, hatte sich allerdings zuvor und in diesen Jahren hauptsächlich mit Klavierstücken und Liedern bereits einen positiven Ruf erarbeitet. Schon sehr früh entwickelte Ravel einen eigenständigen Stil in der Auseinandersetzung mit Fauré, Debussy und Satie, der sich besonders in seinen Orchesterwerken durch eine sehr detaillierte Instrumentation und neuartige Harmonik zeigte. Beispiele dafür sind frühe Werke wie die Rhapsodie espagnole oder Pavane pour une infante defunté ebenso wie die späteren Klavierkonzerte und der berühmte Bolero. Zu Beginn der 30er Jahre traten bei Ravel gesundheitliche Probleme auf, die sich bis zu Lähmungserscheinungen und letztendlich geistigem Verfall ausweiteten. Ravel starb am 28. Dezember 1937 in Paris.

​Das Werk

1909 begann Ravel die Musik zu dem Ballett ´Daphnis et Chloe` zu skizzieren, das die Liebesgeschichte zweier junger Hirten erzählt, dabei kunstvoll griechische Antike, Naturidylle und musikalische Innovation verbindet. Die Uraufführung fand am 8. Juni 1912 im Théatre du Chatelet statt. In seiner musikalischen Erzählung folgt Ravel dem Geschehen auf der Bühne in freier Form unter Benutzung einiger Kernmotive. Das Ballett erzählt die Geschichte von der Liebe zwischen den beiden blutjungen, naiven Hirten Daphnis und Chloe, die aus ihrer anfänglichen Idylle in bedrohliche Situationen geraten (aus einer wird Chloe durch die Intervention Pans gerettet), aber am Ende ein Fest der Liebe zusammen mit Pan und Syrinx nach ihrer Vereinigung feiern. Die Komposition gehört zu Ravels Meisterwerken mit ihrer fein ziselierten Instrumentierung, der rhythmischen Raffinesse, die in ein breites Spektrum von Tanzformen und Klangbildern eingebunden sind.

Der Dirigent

Charles Munch wurde am 26. September 1891 in Straßburg geboren. Er studierte Geige, zunächst am Straßburger Konservatorium, später in Paris, setzte seine Studien nach Ende des 1. Weltkriegs, in dem er in der deutschen Armee diente, bei Carl Flesch in Berlin fort, startete eine Solistenkarriere, ehe er von 1926-32 Konzertmeister beim Leipziger Gewandhaus Orchester wurde und intensiv mit Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter arbeitete. In dieser Zeit reifte in Munch der Entschluss, selbst die Dirigenten-Laufbahn einzuschlagen. Erste Dirigate und Orchester übernahm er ab 1932 in Paris, seine erfolgreiche internationale begann 1949 mit der Übernahme des Boston Symphony Orchestra. In diesen Jahren gelang es ihm, insbesondere französische Musik wie Werke von Debussy, Ravel und Berlioz in den USA bekannt zu machen, zudem gelangen ihm mit ´seinem` Orchester einige legendäre Einspielungen. 1963 kehrte Munch nach Frankreich zurück, übernahm die Leitung der École Normale de Musique und gründete 1967 das Orchestre de Paris. Charles Munch starb am 26. September in Richmond, Virginia während einer USA-Tournée an den Folgen eines Herzinfarkts.​

Die Interpretation

Selten findet man bei einem so komplexen Werk wie Ravels ´Daphnis et Chloé` eine so große Zahl von hervorragenden Interpretationen, die noch dazu die Bandbreite etwaiger Hörerwartungen von historischer Authenzität über klangtechnisch subtil ausgeleuchtete Aufnahmen bis hin zu editorisch verfeinerten Interpretationen abdeckt. Charles Munch gehört mit seiner wunderbaren Aufnahme in die mittlere Gruppe, selten wird der der Farbenreichtum der Partitur so transparent und fast verführerisch vorgeführt. Die historische Referenz liegt eindeutig bei Pierre Monteux mit dem London Symphony Orchestra (1959) ergänzt von Serge Koussevitzky (1928) und Arturo Toscanini (1938). Gehört haben sollte man auch die Aufnahmen von Pierre Boulez (am besten beide – 1974 und 1994 mit den New Yorker resp. den Berliner Philharmonikern). Von den moderneren Einspielungen sind unbedingt hörenswert Bernard Haitink (1989 – Boston Symphony Orchestra) und Charles Dutoit (1980 – Orchestre Symphonique de Montreal). Und am Schluß ein besonderer Tip: der Dirigent John Wilson hat in mühsamer Kleinarbeit die Partitur überarbeitet und 2022 diese Version, die Ravels Intentionen viel exakter entsprechen soll, mit der Sinfonia of London aufgenommen: eine nicht völlig neue, aber hochspannende Hörerfahrung.