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Bela Bartok

Herzog Blaubarts Burg

Istvan Kertesz – 1965

 

Der Komponist

Béla Bartók wurde am 25. März 1881 im zu der Zeit österreichisch-ungarischen Nagyszentmiklós geboren. Er gilt als einer der großen Drei der Komponisten des 20. Jahrhunderts (neben Strawinsky und Schönberg), wobei Bartok am ehesten an einer Musiksprache festhielt, die sich an einer historisch gewachsenen und doch zeitgemässen, die Realität mitreflektierenden Musiksprache orientierte (Attila Csampai). Nach der ersten musikalischen Unterweisung durch seine Mutter besuchte er ab 1899 die Meisterklassen für Klavier und Komposition an der Budapester Musikhochschule. Im Anschluß an das Studium nahm er bis 1934 eine Professur für Klavier an der dortigen Liszt-Hochschule an. 1940 emigrierte er nach New York, bereits von Krankheit gezeichnet. Bartók starb am 26. September 1945 in New York.

Das Werk

´Herzog Blaubarts Burg` ist Bela Bartoks einzige Oper, geschrieben 1911 mit einigen kleineren Revisionen zwischen 1912 und 1918 auf ein Libretto von Béla Balázs. Die Uraufführung fand 1918 im Königlichen Opernhaus Budapest statt. Das Sujet basiert auf der uralten Sage über den Gegensatz zwischen Licht und Finsternis, die von Blaubart verkörpert wird, während die Partnerin das Licht in der Personifizierung der Neugierde darstellt, die am Ende von der Finsternis getötet wird. Die Oper ist auf zwei Personen reduziert – Blaubart und Judith, die seinetwegen ihre Familie und ihren Verlobten verlassen hat. Nacheinander lässt sich Judith alle Türen (insgesamt 7) des Schlosses öffnen, nacheinander eine Folterkammer, eine Waffenkammer, eine Schatzkammer, ein Gartenpanorama, den wunderbaren Ausblick auf Blaubarts weiten ländlichen Besitz, wobei sie hinter jeder der Türen Blutspuren entdeckt. Sie besteht trotz Blaubarts Warnung auf der Öffnung der beiden letzten Türen, ein Tränensee und schließlich Blaubarts drei lebendige Ex-Frauen als Symbole von drei Tageszeiten begleitet von einer Eintrübung des Lichts. So bleibt Judith am Ende nur der Anschluss an diese Reihe als Symbol der Nacht. Die Burg versinkt in komplette Dunkelheit. Auch wenn das Werk heute nur selten auf den Spielplänen der internationalen Opernhäuser erscheint, gilt es zurecht wegen seiner innovativen, hörbar an Debussys Sprachrhythmus (Pelléas und Melisande) sowie dem effektvollen an Richard Strauss orientierten Einsatz der Soloinstrumente als eines der Meisterwerke der Opernliteratur des 20. Jahrhunderts. Besonders eindrucksvoll immer wieder das strahlende C-Dur beim Öffnen der fünften Tür, ganz im Gegensatz zu der ansonsten düsteren, pentatonisch bestimmten Stimmung der Komposition.

Die Sänger

Christa Ludwig

Christa Ludwig wurde am 16. März 1928 in Berlin geboren, ihre Mutter – Eugenia Besalla-Ludwig – war selber Altistin und Gesangspädagogin und übernahm die Ausbildung und Unterstützung ihrer Tochter bis hinein in ihre sich rasch entwickelnde Karriere. Ihr Operndebut gab Christa Ludwig 1948 als Prinz Orlowsky an der Frankfurter Oper. Nach weiteren Stationen in Darmstadt und Hannover berief Karl Böhm sie an die Wiener Staatsoper, dort war sie 40 Jahre lang festes Ensemblemitglied. Im gleichen Jahr trat sie zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen auf, denen sie mehr als 25 Jahre verbunden blieb. Parallel entwickelte sich eine rasante weltweite Karriere, die sie an alle großen Opernhäuser der Welt führte. Ihr Repertoire war jedoch keineswegs beschränkt auf die großen Rollen der Klassik und Romantik, sie wirkte ebenso in zahlreichen Opern-Uraufführungen mit (Martin, Liebermann, von Einem) und setzte auch als Lied-Interpretin hohe Maßstäbe, auch wenn Jürgen Kesting anmerkt, sie sei als Liedsängerin nicht perfekt. Auch ihr Einsatz im Bereich der geistlichen Musik (Bach, Händel, Mozart und Verdi) brachte stets hervorragende Resultate. Christa Ludwig war zweimal verheiratet: von 1957 bis 1970 mit der Bariton Walter Berry und ab 1972 mit dem Schauspieler und Regisseur Paul-Emile Deibler. ´… die Herrlichste von allen` (Bernstein) starb am 24. April 2021 in Klosterneuburg bei Wien.

Walter Berry

Der Bariton Walter Berry wurde am 8.4.1929 in Wien geboren. Im Alter von 17 Jahren begann er Gesang an der Wiener Musikhochschule zu studieren, 1949 wurde er Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper, der er während seiner aktiven Zeit stets treu blieb, genauso wie ab 1953 den Salzburger Festspielen, bewährte sich zunächst in kleineren Rollen, ehe er 1955 international bekannt wurde durch die Übernahme der Titelpartie in Alban Berg ´Wozzeck`. Es entfaltete sich eine glänzende Gastspielkarriere in Europa und Übersee, in deren Rahmen Berry sich zunächst bevorzugt als Sänger der komischen Rollen in Mozarts Opern, erweiterte aber später sein Repertoire auf Wagner (u.a. Wotan an der MET), Strauss bis hinein ins italienische Fach. Auch als Lied- (besonders Schubert und Mahler) und Oratoriumssänger war er weltweit hochgeschätzt. Von 1957 bis 1970 war Berry mit der Mezzosopranistin Christa Ludwig verheiratet. Walter Berry starb am 27. Oktober 2000 in Wien an den Folgen eines Herzinfarkts.

Der Dirigent

Istvan Kertesz wurde am 28. August 1929 in Budapest geboren. Nach dem Studium (Violine, Komposition und Dirigat) an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest (u.a. bei Kodaly) wurde er Dirigent an der Budapester Oper, die von 1947 bis 1950 Otto Klemperer leitete, der grossen Einfluss auf die Entwicklung des Novizen hatte. 1956 emigrierte Kertesz nach Deutschland, übernahm zunächst die Position des Musikdirektors an der Augsburger Oper (1958 – 1963), dann der Kölner Oper (1964 – 1973), zeitgleich berufen zum Chefdirigenten des London Symphony Orchestra (1965 – 1968). Kurz nach seiner Berufung zum Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker starb Istvan Kertesz am 16. April 1973 bei einem Badeunfall im israelischen Kfar Saba. Mit ihm verlor die Musikwelt einen sehr vielversprechenden Repräsentanten, der bis heute besonders mit seinen Interpretationen der Sinfonien Dvoraks (LSO) sowie Schubert und Brahms (Wiener Philharmoniker) als vorbildlich angesehen wird.  

Die Interpretation

An dieser Einspielung stimmt alles: Kertesz Dirigat mit dem soeben übernommenen, hervorragend disponierten London Symphony Orchestra ist erfüllt von lyrischer Melancholie, die weitgehend getragen wird von vorsichtigen Schattierungen, einer wunderbaren instrumentalen Balance und angemessener rhythmischer Flexibilität. Dieser Ansatz wird kongenial aufgenommen von beiden Sängern mit – im Gegensatz zu vielen anderen Aufnahmen, die den Text deklamatorisch, silbengetreu wiedergeben – ebenso lyrisch-fließenden Gesangslinien. Dadurch entstehen so etwas wie echte Charaktere und eine in jedem Moment greifbare innere Dramatik, von beiden Protagonisten perfekt umgesetzt. Echte Alternativen zu dieser Einspielung existieren nicht wirklich, vielleicht Boulez (1976), Haitink (1996) oder – für die historisch interessierten – Ferencsik (1956) mit dem Bass Mihaly Szekely, der die Rolle Jahre zuvor mit Bartok einstudiert hatte.