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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 8 c-moll WAB 108

Herbert von Karajan – Berliner Philharmoniker – 1957/1975

Der Komponist

Joseph Anton Bruckner kam am 4. September 1824 in Arnsfelen/Oberösterreich zur Welt, wo er schon als 10jähriger seinen Vater an der Orgel vertrat. Nach dessen frühen Tod wurde er 1837 Singknabe am Stift St. Florian und begann 1840 ein Lehramts-Studium. Während seiner Tätigkeit als Lehrer wurde er 1850 Stiftsorganist in St. Florian. Er begann bereits in dieser Zeit zu komponieren, entschloss sich aber erst 1855 nach der Berufung zum Linzer Domorganisten endgültig zum Beruf des Komponisten. 1868 erhielt Bruckner einen Ruf als Professor für Generalbass, Kontrapunkt und Orgel ans Wiener Konservatorium. Bruckner gilt mit seinen sinfonischen Werken, aber auch der Kirchen- und Kammermusik als einer der wichtigsten Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Daneben war er ein besonders für seine Improvisationsfähigkeit an der Orgel berühmt. Anton Bruckner starb am 11. Oktober 1896 in Wien.

Das Werk

Die Sinfonie Nr. 8 c-Moll op. 68 entstand in den Jahren 1884-87 (Fassung 1) und 1887-90 (Fassung 2). Daneben existieren zwei Mischfassungen auf Basis der Umarbeitung von Robert Haas und Leopold Nowak. Am häufigsten zu hören ist die von Bruckner erstellte zweite Fassung, die am 18. Dezember 1892 von Hans Richter mit den Wiener Philharmonikern aufgeführt wurde, heute allerdings in der Haas-Bearbeitung. Die 8. Sinfonie Bruckners gehört mit gut 80 Minuten Spieldauer zu den längsten Werken der Geschichte der Sinfonie, später nur noch in Teilen übertroffen von Gustav Mahler. Nicht nur wegen ihrer Ausdehnung, auch wegen ihrer klanglichen Monumentalität gepaart mit der spirituellen Botschaft des Endes der Sinfonie, wenn die vier Hauptthemen zu einem flammenden, aber dennoch ruhigen C-Dur zusammengefasst werden, ist Bruckners Achte zweifelsohne der sinfonische Höhepunkt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.   

Der Dirigent

Herbert von Karajan, geboren am 5. April 1908 in Salzburg-Neustadt, gestorben am 16. Juli 1989 in Anif bei Salzburg, zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Seine spektakuläre Karriere begann 1929 als erster Kapellmeister am Stadttheater Ulm, 1934 wurde er Generalmusikdirektor in Aachen, ab 1941 (er war zwischenzeitlich der NSDAP beigetreten) wirkte Karajan in Berlin. Nach Ende des 2. Weltkriegs begann seine internationale Karriere in Wien, London und an der Mailänder Scala. 1955 löste er Wilhelm Furtwängler als Leiter der Berliner Philharmoniker ab, deren Chefdirigent er bis zu seinem Tod blieb. Karajan hat eine gewaltige Menge an Einspielungen mit diversen Orchestern von Bach bis Stravinsky hinterlassen, sein Stil sollte nach eigener Aussage die Präzision Toscaninis mit der Fantasie Furtwänglers verbinden.

Die Interpretation

In der Auflistung der 250 Kultaufnahmen ist die Rede von Karajan und den Berliner Philharmonikern, das Problem dabei: es existieren 2 Aufnahmen mit dieser Besetzung: eine aus dem Jahr 1957, die andere entstand 1975, ganz abgesehen von einer weiteren Studio-Einspielung mit den Wiener Philharmonikern (1988) unter Karajans Leitung. Bei aller Wertschätzung der orchestralen Perfektion der Berliner und Wiener und dem insbesondere in der frühen Aufnahme spürbaren kraftvollen Zugriff des Dirigenten, der ich persönlich den Vorzug vor der späteren Aufnahme geben würde, sei der Hinweis erlaubt auf weitere Interpretationen von Bruckners 8. Sinfonie: da ist zunächst einmal Günter Wand mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester (1979), dann Pierre Boulez in einem Live-Mitschnitt mit den Wiener Philharmonikern (1996) und Nikolaus Harnoncourt mit den Berliner Philharmonikern (2000), um nur 3 Protagonisten zu nennen, die man problemlos um die Namen Wilhelm Furtwängler (1944), Carlo Maria Giulini (1984) und Georg Solti (1966) erweitern könnte. Wer die Originalfassung kennenlernen möchte, sollte zur Aufnahme Simone Youngs mit den NDR Philharmonikern greifen.