Robert Schumann
Klavierkonzert a-moll op. 54
Leon Fleisher, George Szell – Cleveland Orchestra – 1960
Der Komponist
Robert Schumann wurde am 8. Juni 1810 in Zwickau geboren. Schon früh zeigte er großes Interesse an Musik und Literatur und begann schon als Kind zu komponieren. Er studierte jedoch ab 1828 zunächst Jura in Leipzig und Heidelberg, widmete sich aber bald darauf ganz der Musik als Komponist und Musikschriftsteller. Etwaige Ambitionen, als Konzertpianist zu reüssieren, wurden durch eine Verletzung an der Hand beendet. Er gründete 1834 die „Neue Zeitschrift für Musik“, die er zehn Jahre lang als Chefredakteur führte. In Leipzig nahm er Klavierunterricht bei Friedrich Wieck, dessen Tochter Clara er nach einigen Auseinandersetzungen mit Vater Wieck im Jahr 1840 heiratete. Im selben Jahr komponierte er fast 150 Lieder, darunter berühmte Liederzyklen wie „Dichterliebe“. In den folgenden Jahren entstanden bedeutende Werke für Klavier, Orchester, Kammermusik und die Oper „Genoveva“. Schumann wurde 1850 Musikdirektor in Düsseldorf, allerdings litt er zunehmend an psychischen Problemen. 1854 wurde er nach einem Suizidversuch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo er am 29. Juli 1856 in Endenich bei Bonn starb. Schumann gilt als einer der wichtigsten Komponisten der Romantik, dessen Werke bis heute weltweit aufgeführt werden.
Das Werk
Das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schumann ist eines der bedeutendsten Werke der Romantik für Klavier und Orchester. Schumann vollendete das Konzert im Jahr 1845, nachdem er bereits mehrere frühere Versuche unternommen hatte, ein Klavierkonzert zu komponieren. Ursprünglich entstand 1841 eine einsätzige Phantasie für Klavier und Orchester, die jedoch keinen Verleger fand. Erst durch die Ergänzung eines Intermezzos und eines Rondos im Jahr 1845 wurde das Werk zu einem vollwertigen dreisätzigen Konzert ausgebaut. Die Uraufführung des Kopfsatzes (Phantasie) fand am 13. August 1841 im Leipziger Gewandhaus mit Clara Schumann als Solistin statt. Die vollständige Fassung wurde am 4. Dezember 1845 in Dresden uraufgeführt, wiederum mit Clara Schumann am Klavier und Ferdinand Hiller als Dirigent. Alle drei Sätze (Allegro affettuoso, Intermezzo: Andantino grazioso und Allegro vivace) spiegeln deutlich Schumanns ästhetisches Ideal wider, das Soloinstrument und das Orchester nicht blockhaft gegenüberzustellen, sondern klanglich eng miteinander zu verzahnen und dabei auf allzu virtuose Passagen für das Klavier zu verzichten.
Der Pianist
Leon Fleisher, geb. am 23. Juli 1928 in San Francisco begann mit 8 Jahren als Wunderkind erste öffentliche Auftritte und im Anschluß eine 10jährige Ausbildung bei Artur Schnabel zu absolvieren, von dem Fleisher sagte, er habe ihm seine ´musikalische Identität` gegeben. Nach 10 Jahren ungemein intensiven Konzertierens ab 1952 machen sich ab 1962 erste Symptome einer neurologischen Erkrankung der rechten Hand bemerkbar, die innerhalb von 3 Jahren zur völligen Lähmung führte. Fleisher war in der Lage, sich als Dirigent, Pädagoge und als Spezialist der Klaviermusik für die linke Hand eine zweite Karriere aufzubauen. Nach jahrelangen Behandlungen begann er ab 1990 wieder öffentlich aufzutreten und ab 1995 – eingeschränkt – auch wieder zweihändige Werke aufzuführen. Fleisher starb am 2. August 2020 in Baltimore, Maryland.
Der Dirigent
George Szell wurde am 7. Juni 1897 in Budapest geboren, wuchs jedoch in Wien auf. Bereits als Kind zeigte er außergewöhnliches musikalisches Talent: Auftritte als Pianist im Alter von 10 Jahren, Debut als Dirigent der Wiener Symphoniker mit 16 Jahren und ein Jahr später Leitung der Berliner Philharmoniker mit einer eigenen Komposition und Anstellung als Assistent und Korrepetitor von Richard Strauss an der Berliner Staatsoper. Es folgen Stationen quer durch Europa, 1924 berief Erich Kleiber ihn als ersten Dirigenten an die Berliner Staatsoper, zugleich erhielt er eine Professur an der Berliner Musikhochschule. 1939 emigrierte Szell in die USA, wurde 1946 amerikanischer Staatsbürger und übernahm im gleichen Jahr (nach zahlreichen Dirigaten an der Metropolitan Opera und als Gastdirigent diverser Orchester) die Position des Chefdirigenten beim Cleveland Orchestra, das er bis zu seinem Tod am 30. Juli 1970 leitete und zu einem der besten Orchester der Welt entwickelte.
Die Interpretation
In der Umsetzung der Schumannschen Ästhetik der vollkommenen Partnerschaft zwischen Klavier und Orchester gehört die Kombination Fleisher/Szell auch beim Opus 56 seit dem Erscheinen der Aufnahme zu den herausragenden Interpretationen des Werks. Im ersten Satz wird ungemein präzise und fast ohne Rubato musiziert, was in eine überwältigende Kadenz und in der Folge eine aufregende Kadenz mündet. Den zweiten Satz kann man kaum ´schöner` spielen, leichte Unebenheiten im letzten Satz fallen demgegenüber kaum ins Gewicht. Die Partnerschaft zwischen Pianisten und Dirigent bringen die klassischen Formen, aber zugleich auch die tiefe romantische Ausgestaltung des Werks sehr gut auf den Punkt. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Aufnahmen, die ebenfalls sehr lohnenswert sind: zunächst, mein persönlicher Favorit, der Tscheche Ivan Moravec mit Vaclav Neumann am Pult, dessen erster Satz von unvergleichlicher Ruhe bei höchstem Tiefgang gekennzeichnet ist. Lohnenswert Richter (am besten mit Rowicki als Dirigent), auch Backhaus mit Günter Wand, Martha Argerich mit Chailly, bei den historischen Aufnahmen eher Alfred Cortot mit Ronald Landon als Dinu Lipatti in der Einspielung aus dem Jahr 1948 mit Herbert von Karajan.