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NiccoloPaganini

24 Caprices für Violine solo

Michael Rabin – 1958

Der Komponist

Niccolo Paganini, geboren am 27. Oktober 1782 in Genua, war der berühmteste Geiger des 19. Jahrhunderts, zugleich Komponist von Werken, die er sich eigens in die hochvirtuosen Hände schrieb. Sein großes Talent zeigte sich sehr früh und schon im Alter von 11 Jahren konzertierte er öffentlich in Italien und Frankreich. Von 1804 bis 1808 wirkte er Dirigent und Soloviolinist im Orchester der Republik Lucca. Nach dieser Zeit befand sich Paganini ständig auf Reisen, neben Italien und Österreich trat er auch in Frankreich, England und weiteren Ländern Europas auf. Dabei spielte er ausschließlich eigene Werke und sorgte er mit seiner beispiellosen Virtuosität immer wieder für staunende Begeisterung, die ihm den Beinamen ´Teufelsgeiger` einbrachte. Paganini litt bereits Jahre vor seinem unter gesundheitlichen Problemen, zu denen auch sein unstetes Leben beigetragen haben mag. Er starb am 27. Mai 1840 in Nizza.

Das Werk

Die 24 Caprices für Violine solo schrieb Paganini zwischen 1802 und 1817. Mit ihnen hat er die Grenzen der Violintechnik auf so vielen Ebenen erweitert, dass viele Geiger sie zunächst für unspielbar hielten. Heute hingegen gelten sie als Prüfstein für jeden professionellen Geiger und gehören zum Standardrepertoire in Wettbewerben und auch Hochschulen. Die 24 Einzelstücke sind dabei keineswegs nur Etüden, sondern z. T. durchaus eigenständige Charakterstücke von unterschiedlichem Charakter von hochdramatisch bis zu fast spielerischem Gepräge. Besonders berühmt wurde die Nr. 24, die von zahlreichen Komponisten als Grundlage für Variationen benutzt wurde (u.a. Brahms, Rachmaninow und Liszt). Nicht zuletzt trugen die Caprices erheblich zu Paganinis Ruf als ´Teufelsgeiger` bei.

Der Geiger

Michael Rabin kam am 2. Mai 1936 in New York auf die Welt. Sein Vater war Geiger bei den New Yorker Philharmonikern, seine Mutter Pianistin. Seine musikalische Hochbegabung war unübersehbar, im Alter von 5 Jahren begann er, Klavier zu lernen, kurz darauf auch Violine, die sein Instrument werden sollte. 1947 trat Rabin zum ersten Mal öffentlich auf mit dem Violinkonzert Nr. 1 von Henryk Wieniawsky, 3 Jahre später folgte sein Debut an der Carnegie Hall. Die nächsten gut 10 Jahre waren geprägt von erfolgreichen, hochgelobten Auftritten und Einspielungen. Ab Beginn der 60er Jahre mehrten sich Gerüchte über große emotionale Probleme Rabins bis hin zu Drogenmissbrauch, die wiederum zu der vermutlich falschen Annahme führten, Rabin habe am 19. Januar 1972 Selbstmord begangen, denn die nachfolgende Untersuchung deutete eher auf eínen tragischen Unfall hin.

Die Interpretation

Als Michael Rabin 1958 Paganinis Caprices einspielte (Yehudi Menuhin bezeichnete sie als das Neue Testament der Geiger) war er fast allein auf dem Markt, lediglich Ruggiero Ricci hatte 1947 eine Aufnahme vorgelegt, der er drei weitere folgen ließ (darunter die ´klassische` – 1959, aber auch das Kuriosum mit Orchesterbegleitung aus dem Jahr 1998). Rabins Aufnahme gilt bis heute zurecht als die Referenzaufnahme wegen ihrer technischen Perfektion ohne jede Effekthascherei, seiner mühelosen Kontrolle, der schon unglaublich sicheren Intonation und zugleich ihrer formalen Klarheit, die den Charakter jeder einzelnen Caprice hörbar macht. Einen weiteren Klassiker will ich nicht unterschlagen mit der Aufnahme von IItzhak Perlman aus dem Jahr 1971, aber auch ein Frank-Peter Zimmermann (1984) gehört in diese Kategorie. Und zum Schluß der Hinweis auf zwei Aufnahmen jüngeren Datums, die die Bekanntschaft lohnen: Tanja Bender-Becker (2007) und Julia Fischer (2009), beide Aufnahmen erkennbar bewusst gestaltet, in denen man als aufmerksamer Hörer viel Neues entdecken kann.