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Strauss Dynastie und andere

Neujahrskonzerte 1989 und 1992

Carlos Kleiber – Wiener Philharmoniker

Die Programme:

1989: Teil 1

Johann Strauss (Sohn): Accelarationen-Walzer op.

Johann Strauss (Sohn): Bauern-Polka, Polka francaise op. 276

Johann Strauss (Sohn): Bei uns z`Haus, Walzer op. 361

Josef Strauss: Die Libelle, Polka Mazur op. 204

Johann Strauss (Sohn): Ouvertüre zu ´Die Fledermaus`

1989 Teil 2

Johann Strauss (Sohn): Künstlerleben, Walzer op. 316

Josef Strauss: Moulinet, Polka francaise op. 57

Johann Strauss (Sohn): Éljen a Magyarl, Polka schnell op. 332

Johann Strauss (Sohn): Im Krapfenwald, Polka francaise op. 336

Johann Strauss (Sohn): Frühlingsstimmen, Walzer op. 410

Johann Strauss (Sohn) u. Josef Strauss: Pizzacato-Polka

Johann Strauss (Sohn): Csárdás aus der Ballettmusik der Oper ´Ritter P

Josef Strauss: Plappermäulchen, Polka schnell op. 245

1989 Zugaben

Josef Strauss: Jokey-Polka, Polka schnell op. 278

Johann Strauss (Sohn): An der schönen blauen Donau, Walzer op. 314

Johann Strauss (Vater): Radetzky-Marsch op. 228

1992 Teil 1

Otto Nicolai: Ouvertüre zu ´Die lustigen Weiber von Windsor`

Johann Strauss (Sohn): Stadt und Land, Polka mazur op. 322

Josef Strauss: Dorfschwalben aus Österreich, Walzer op. 164

Josef Strauss: Feuerfest, Polka francaise op. 269

Johann Strauss (Sohn): Vergnügungszug, Polka schnell op. 281

1992 Teil 2

Johann Strauss (Sohn): Ouvertüre zu ´Der Zigeunerbaron`

Johann Strauss (Sohn): Tausend und eine Nacht, Walzer op. 346

Johann Strauss (Sohn): Neue Pizzicato-Polka op. 449

Johann Strauss (Sohn): Persischer Marsch op. 289

Josef Strauss: Sphärenklänge, Walzer op. 235

Johann Strauss (Sohn): Unter Donner und Blitz, Polka schnell op. 324

1992 Zugaben

Josef Strauss: Jokey-Polka, Polka schnell op. 278

Johann Strauss (Sohn): An der schönen blauen Donau, Walzer op. 314

Johann Strauss (Vater): Radetzky-Marsch op. 228

Der Dirigent

Carlos (ursprünglich Karl) Kleiber, Sohn des zu seiner Zeit kaum weniger geschätzten Dirigenten Erich Kleiber, wurde am 3. Juli 1930 in Berlin geboren, er gilt vielen Kennern als das ´Genie des Taktstocks` des 20. Jahrhunderts, trotz oder gerade wegen der ihn begleitenden Verbal-Klischees wie ´genialischer Außenseiter, manischer Wille, Fanatiker am Dirigentenpult, Virtuose der Verweigerung, am Ende: der begnadete Eremit` (Wolfgang Schreiber: Große Dirigenten S. 435). 1935 emigrierten seine Eltern nach Argentinien, kehrten aber nach dem Krieg nach Europa in die Schweiz zurück. Carlos studierte zunächst Chemie, ab 1952 aber wandte er sich komplett der Musik zu. Er dirigierte an diversen deutschen Opernhäusern (Debüt 1954 in Potsdam mit der Operette ´Gasparone`) mit wichtigen Stationen in Düsseldorf, Zürich, Stuttgart und schließlich München, ehe er ab 1973 eine Karriere als Gastdirigent aufnahm mit in den späteren Jahren langen Pausen und – so wird kolportiert – abstrusen Gagenforderungen. Seine wenigen Studio-Aufnahmen sind legendär, darunter Beethovens 5. und 7. sowie Brahms` 4. Sinfonie und die Bühnenwerke ´Der Freischütz`, ´La Traviata`, ´Die Fledermaus` und natürlich ´Tristan und Isolde`.

Die Interpretation

Zur Bewertung der beiden Konzerte der Jahre 1989 und 1992 reicht eigentlich ein Zitat des Geigers Clemens Hellsberg, langjähriges Mitglied des Orchesters und von 1997 bis 2014 Vorstand der Wiener Philharmoniker: ´.. jener musikalische Kosmos, den Carlos Kleiber in jedem seiner Konzerte erschloss, das Gefühl, mit ihm nicht nur an, sondern über die eigenen Grenzen zu gehen, wird für alle, die dies miterleben durften, unvergesslich bleiben.` Bezogen auf die beiden Neujahrskonzerte: es gibt schlicht keine ´besseren`: was Carlos Kleiber an diesen beiden Tagen mit dem Orchester erreicht hat, ist weder vorher, noch in den Folgejahren erreicht worden (bis 2025). Unübertroffen sind und bleiben die natürliche Anmut, die Leidenschaft und die unvergleichliche Schönheit des Ausdrucks verbunden mit einer schwebenden Leichtigkeit und extrem feiner Dynamik in den einzelnen Stücken. Hier wird die vermeintlich ´leichte Muse` nicht zuletzt auch durch den bedingungslosen Einsatz des Orchesters, auf eine neue Ebene gehoben, auf der ihr wahrer Wert hörbar wird. 1989 erscheint mir spontaner, dagegen klingt manches 1992, als Kleiber für den verstorbenen Leonard Bernstein übernahm, noch etwas ausgefeilter und eleganter. Mein Favorit für die einsame Insel (wenn ich mich entscheiden müsste) 1989!