Anton Dvorak
Klaviertrio Nr. 3 f-moll op. 65
Beaux Arts Trio – 1969
Der Komponist
Geboren am 8. September 1841 in Nelahozeves bei Kralupy gehört Dvorak neben Smetana und Janacek zu den National-Komponisten des heutigen Tchechien (besser vielleicht der Tchechoslowakei). Er begann seine endgültige musikalische Ausbildung im Alter von 12 Jahren, lernte Violine, Bratsche und ab 1857 insbesondere Orgel zu spielen, arbeitete aber von 1859-71 als Orchestermusiker (Bratsche). In diese Zeit fallen erste Kompositionsversuche, erste öffentliche Aufmerksamkeit erregte er mit seinen Kompositionen ab ca. 1873/4, sein Durchbruch erfolgte mit der Veröffentlichung seiner Vokalkomposition ´Klänge aus Mähren`. Es folgten ab 1884 zahlreiche Auslandsengagements u.a. von 1892-95 als Direktor des National Conservatory of Music in New York. Nach Rückkehr aus den USA wurde Dvorak Direktor des Konservatoriums in Prag, wo er am 1. Mai 1904 starb.
Das Werk
Das viersätzige Trio (Allegro ma non troppo, Allegretto grazioso, Poco Adagio, Finale: Allegro con brio) entstand 1883 und gilt als eines der gelungensten und persönlichsten Werke Dvoraks für Kammerensemble, auch wenn das sog. ´Dumky`-Trio op. 90 sich bis heute größerer Beliebtheit erfreut. Diese Einschätzung hat sicher auch mit dem düsteren Grundton des op. 65 zu tun, auch wenn die dunkel gefärbte klanglich-kompositorische Annäherung an Werke seines Mentors Brahms (z.B. dessen Klavierquartette und das Klavierquintett op. 34) immer wieder auch von deutlichen Anklängen an die tschechische Folklore ergänzt wird.
Das Ensemble
Das Beaux Arts Trio wurde 1955 in der Besetzung Menahem Pressler (Klavier), Daniel Guilet (Violine) und Bernard Greenhouse (Cello) gegründet, nachdem die drei Musiker die Klaviertrios Mozarts mit großem Verkaufserfolg eingespielt hatten und fortan weltweit als Trio auftraten. Als gewissermaßen ´klassische` Besetzung gilt die Formation mit dem Violinisten Isodore Cohen an Stelle von Daniel Guilet für den Zeitraum von 1969-92, in den auch die meisten ihrer wegweisenden Einspielungen des klassisch-romantischen Repertoires fielen. Mit dem Fixpunkt Pressler, jedoch wechselnden Streicherbesetzungen (u.a. Daniel Hope ab 2002) existierte das Trio bis zu seiner Auflösung im Jahre 2008.
Die Interpretation
Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1969, also bereits aus der ´klassischen` Zeit mit Isodore Cohen an der Violine. In der Kurzbeschreibung von Gramophone heißt es: ´Georgeously lyrical and integrated playing ..` was einerseits genau zutrifft, wenn mit ´integrated` das perfekte Ensemblespiel des Trios gemeint ist. Die ungemein schwierige Aufgabe bei der Wiedergabe dieses Stücks aber liegt zusätzlich in der Integration der brahmschen mit den folkloristisch-dvorakschen Elementen, insbesondere in den Ecksätzen. Dies gelingt dem Beaux Arts Trio mit ihrer abwechselnd herb-gewichtigen und üppig-ausladenden Deutung trotz vieler wunderbarer Momente nur teilweise, auch wenn durchweg die dramatischen Züge des Stücks spürbar bleiben. Als Alternative empfiehlt sich die Einspielung des Suk Trios aus dem Jahr 1967 oder die noch vier Jahre ältere Aufnahme von Jascha Heifetz mit seinen Partnern, dem Pianisten Gregor Piatigorsky und dem Cellisten Leonard Pennario.