Beethoven
Sinfonien 1-9
Nikolaus Harnoncourt
Chamber Orchestra of Europe – 1991
Der Komponist
Gibt es eine Entwicklung in der ´klassischen` Musik, die dem am 17. Dezember 1770 in Bonn getauften Ludwig van Beethoven nicht zumindest eine Anregung verdankt? Seine 9 Sinfonien, 32 Klaviersonaten, 5 Klavierkonzerte, sein Violinkonzert, die 16 Streichquartette einschließlich der Großen Fuge und weiterer bedeutender Kammermusik wie die Klaviertrios, Violin- und Violoncellosonaten, nicht zu vergessen die Vokal- und Bühnenwerke wie der Liederzyklus ´An die ferne Geliebte`, die Oper ´Fidelio` und – last not least – die ´Missa solemnis`, gehören bis heute zu den meistgespielten Werken der Klassik. Beethoven begann seine Karriere im Alter von 13 Jahren als Mitglied der Kurfürstlichen Kapelle in Bonn, 1792 zog er nach Wien, ab 1795 reüssierte er zunächst als Klaviervirtuose mit eigenen Kompositionen, ein Teil seiner Karriere, den er infolge eines schweren Hörleidens, das sich bis 1819 zu völliger Taubheit entwickelte, sehr bald aufgeben musste. Beethoven verlegte sich komplett auf die Komposition und schuf ein Lebenswerk von immenser Vielfalt und Reichtum, das nur wenige seiner Vorgänger und Nachfolger für sich beanspruchen können. Er starb am 26. März 1827 in Wien.
Das Werk
Das ´Konzert für Orchester` gehört zu den letzten Werken des Komponisten, der seit seiner Ankunft in New York ca. zwei Jahre kein neues Werk geschrieben hatte. Es war der Dirigent Sergei Koussevitzky, der mit einer Auftragsarbeit die letzte Schaffensperiode Bartoks in Gang setzte: neben dem Konzert für Orchester entstanden noch die Sonate für Violine solo und das 3. Klavierkonzert.
Die Komposition ist fünfteilig: im Zentrum steht eine ´Elegia`, von Bartok selbst als ´das herzzerreissende Klagelied` des Werks bezeichnet. Um dieses Zentrum herum sind zwei Binnensätze (Giucco delle coppie – Tanz der Paare sowie Intermezzo interrotto) mit eher konzertierendem Charakter gruppiert, während die Außensätze, schlicht mit Introduzione und Finale bezeichnet, die Beschwernis der Zeiten, schliesslich aber die Hoffnung auf Befreiung von diesen Problemen (Krieg und Faschismus) beschreiben.
Der Dirigent
Geboren am 6. Dezember 1929 in Berlin, lebte Nikolaus Harnoncourt als Kind und Jugendlicher in Graz. Nach der Ausbildung an der Wiener Musikakademie wurde er 1952 Cellist bei den Wiener Symphonikern. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit seiner Frau Alice das Originalklang-Ensemble der ersten Stunde, Concentus Musicus Wien, das 1957 seinen ersten öffentlichen Auftritt absolvierte. Von 1972 an unterrichtete Nikolaus Harnoncourt neben seiner Tätigkeit für sein Orchester Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde als Professor am Salzburger Mozarteum. Allmählich erweiterte er als Dirigent sein Repertoire über die Klassik und die Romantik bis hinein ins 20. Jahrhundert. Dabei arbeitete er immer wieder zusammen mit renommierten Orchestern wie dem Concertgebouw-Orchester, dem Chamber Orchestra of Europe, den Wiener und Berliner Philharmonikern. Ende 2015 zog Harnoncourt sich von der Bühne zurück, wenige Wochen später, am 5.3.2016 starb Nikolaus Harnoncourt in St. Georgen im Attergau
Die Interpretation
Was macht diese 1991 erschienene Sammlung von Beethovens Sinfonien so einzigartig? Nach unzähligen Einspielungen dieses Nucleus der Sinfonie hatten Dirigenten wie Christopher Hogwood, Frans Brüggen oder besonders Roger Norrington das Publikum aus dem Wohlbefinden der konventionellen Interpretation gerissen und Beethoven auf Originalinstrumente transferiert. Dann kam Harnoncourt und für die Beobachter der frühen 90er Jahre war er so etwas wie eine Offenbarung: die Aufnahmen mit dem Chamber Orchestra of Europe verbanden den ´Schock` des Neuen unglaublich eindrucksvoll mit den traditionellen Hörgewohnheiten. Der Dirigent selbst stellte lakonisch fest, dies sei ´eine Interpretation der 1990er` und keineswegs der Versuch einer Belebung von Beethovens Klangvorstellungen. Es wurde vielfach festgestellt, dass Harnoncourt den Gebrauch moderner Instrumente mit den zahlreichen Erkenntnissen aus dem Umgang mit historischen Instrumenten großartig in Einklang gebracht hat. In späteren Jahren hat sich diese Einschätzung teilweise relativiert, insbesondere hinsichtlich der beiden epochalen Sinfonien Nr. 3 und 9, weniger bei den beiden anderen ´Meisterwerken`, den Sinfonien 5 und 6. Insgesamt aber, so der Tenor, besteht die Gefahr einer interpretatorischen ´Einebnung` der kompositorischen Entwicklung Beethovens. Dieser Einwand besteht auch heute noch, schmälert aber den Erkenntnisgewinn des Erscheinungsjahrs nicht im Geringsten.