Louis Andriessen
Writing To Vermeer
Reinhart de Leeuw – ASKO Ensemble – 2006
Der Komponist
Louis Andriessen (1939 – 2021) gilt als einer der wichtigsten niederländischen Komponisten der Moderne, zu dessen Hauptstilelementen der repetierende Minimalismus verbunden mit rhythmischer Komplexität und unkonventioneller Instrumentierung gehört, die er häufig in der Verarbeitung politischer Themen anwandte (z.B. ´De Staat` aus dem Jahr 1976), geboren aus seiner Überzeugung, dass Musik nie von dem gesellschaftlichen und politischen Kontext gelöst werden kann, in dem sie entsteht und erklingt.
Das Werk
Writing To Vermeer ist eine Oper in sechs Bildern auf ein Libretto in englischer Sprache von Peter Greenaway, inspiriert durch die Bilder des niederländischen Malers Johannes Vermeer. Das Werk wurde am 1. Dezember 1999 in Amsterdam uraufgeführt. Die sechs Szenen basieren auf jeweils sechs fiktionalen Briefen an den Maler von seiner Frau Catherine Bolnes, seiner Schwiegermutter Maria Thins (beide historisch verbürgte Personen) sowie dem fiktionalen Modell Saskia de Vries. Die Handlung spielt im Jahr 1672, dem sog. Katastrophenjahr der Niederlande, in dem das Land von Frankreich angegriffen wurde und zur Abwehr der französischen Truppen grosse Teile des eigenen Landes bewusst flutete.
Die Interpretation
Es überrascht schon ein wenig, Andriessens Oper in der Auflistung der 250 herausragenden Aufnahmen der Schallplatten-Geschichte zu finden, andererseits aber gelingt dem Team um den Dirigenten Reinhart de Leeuw (Schönberg und ASKO Ensemble) gemeinsam mit den drei Solistinnen Barbara Hannigan, Susan Narucki und Susan Bickleymez eine perfekte Umsetzung von der anfänglichen Idylle hin zu den Schrecken der kriegerischen Auseinandersetzung, die sich in auch klanglich umgesetzten Blut- und Wasserstürzen bis hin zu Bildern und Klängen von Bränden sowie den von Kriegsgeräten verschiedener Art ausgelösten Explosionen