Der Komponist
Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern nahm sein älterer Bruder Johann Christoph auf, der als Organist in Ohrdruf tätig war. Mit 15 Jahren wurde Johann Sebastian Schüler des Michaelisklosters in Lüneburg. 1703 nahm er eine Stelle als Organist in Arnstadt an, vier Jahre später wurde er Organist im thüringischen Mühlhausen. 1723 wurde er als Nachfolger Johann Kuhnaus zum Thomaskantor nach Leipzig berufen. Bis zu seinem Tode war er dort als Lehrer an der Schule St. Thomae und als Musikdirektor der Kirchen tätig. Johann Sebastian Bach starb am 28. Juli 1750 in Leipzig.
Das Werk
Entstanden wahrscheinlich zwischen 1718 und 1721 und benannt nach der Widmung an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, sind diese sechs Konzerte bewusst sehr vielfältig und abwechslungsreich besetzt, womit jedes einzelne Konzert eine eigene, individuelle Note erhält. Festlich mit starkem Bläserklang die Konzerte 1 und 2 (beide F-Dur), wobei Nr. 1 fast doppelt so lang ist. Nr. 3 (G-Dur) ist lediglich zweisätzig und stellt die Streicher heraus, während Nr. 4 (G-Dur) mit der Betonung der Blockflöte sehr durchsichtig und schon fast intim klingt. Im 5. Konzert (D-Dur) wird das Cembalo als Soloinstrument eingeführt und mündet schließlich in eine lange, virtuose Solokadenz. In Nr. 6 (B-Dur) verdunkelt sich das Klangbild, reduziert auf eine Besetzung mit tiefen Streichern (Bratsche, Cello und Gambe) und Cembalo.
Der Dirigent
Reinhard Goebel, geb. am 31.7.1952 in Siegen, zunächst an der Geige ausgebildet, deren Spiel er 1990 teilweise und 2006 endgültig aufgeben musste, gehört zu den profiliertesten Dirigenten der ´historischen` Musizierpraxis, zugleich ist er seit 2010 als Nachfolger von Nikolaus Harnoncourt Professor für genau diesen Themenbereich am Mozarteum Salzburg. Er studierte Musikwissenschaft an der Universität Köln, erarbeitete sich dort in Zusammenarbeit mit dem Collegium Aureum die Grundlage für seine umfassenden Kenntnisse der Barockmusik. Er gründete 1973 mit der Musica Antiqua Köln sein eigenes Ensemble, mit dem er zahllose hochgeschätzte Tonträger einspielte. Seit 2018 ist Goebel auch künstlerischer Leiter der Berliner Barock Solisten.
Die Interpretation
Angesichts der mächtigen Konkurrenz (Harnoncourt, Kuijken, Pinnock – um nur eine kleine Auswahl aus dem Bereich der historischen Aufführungspraxis zu nennen) überrascht es schon ein wenig, Reinhard Goebels Interpretation aus dem Jahr 1986 mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln in dieser Zusammenstellung zu finden. Kein Zweifel: es ist eine besondere Interpretation. Da ist z.B. das extrem schnelle Tempo ganz generell, das völlig neue Einblicke in die Stücke erlaubt. Ganz besonders deutlich im dritten Konzert, in dem zudem der Übergang vom zweiten zum dritten Satz in seiner Einfachheit fast bedrohlich klingt. Goebel betrat relativ früh Neuland, viele andere folgten mit ähnlichen Erkenntnissen und Ergebnissen, so dass eine heute verfasste Diskografie eher Einzelaufnahmen herausheben würde als eine Gesamteinspielung. Dennoch: Goebels erste Einspielung bleibt ein Meilenstein der Interpretation von Barockmusik.